Dr. med. Günter Schaible
 Dr. med. Antje Weil-Schaible

 



Bildschirmarbeitsplatz

 

 

Auswirkung auf die Augen

Durch die Modernisierung der Technik haben sich in allen Bereichen des Lebens die Anforderungen an unsere Sehschärfe verändert: im Straßenverkehr, im Haushalt und im Berufsleben. Mechanisierung und Automation von Arbeitsprozessen führen dazu, dass der Anteil der Arbeitsplätze mit vorwiegend körperlicher Beanspruchung ständig abnimmt. Proportional dazu wachsen die Anforderungen an die menschliche Fähigkeit zur Aufnahme wie auch zur Verarbeitung von Informationen. Die Augen tragen dabei die Hauptverantwortung, die jedoch zur Belastung wird, wenn wir nicht für ihre Gesundheit, die Erhaltung ihrer Sehschärfe und für die jeweils optimalen Sehbedingungen sorgen. Das gilt auch für die Arbeit am Bildschirm.

Die Zahl der Bildschirmarbeitsplätze hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und wird weiter steigen. Bildschirmarbeit stellt an unser Sehorgan besondere Anforderungen. Gutes, ermüdungsarmes Sehen ist wichtig, damit die mentale Arbeit über den Tag verteilt bei möglichst gleich bleibend guter Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Kreativität erbracht werden kann.Um jedoch eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden, müssen am Bildschirm-Arbeitsplatz spezielle Voraussetzungen erfüllt werden. Das gilt sowohl für die Einrichtung als auch für die Nutzung dieses Arbeitsplatzes.Der Ausschuß "Arbeitsmedizin" der Verwaltungsberufsgenossenschaft, dem auch Augenärzte beratend angehören, hat verschiedene Sicherheitsregeln zur Ergonomie des Bildschirm-Arbeitsplatzes sowie Richtlinien zur Vorsorgeuntersuchung von Beschäftigten an Bildschirm-Arbeitsplätzen ("Grundsatz G 37") erlassen, die die Bildschirmarbeitsverordnung ergänzen. Durch Einhaltung dieser Regeln wird ein beschwerdefreies Arbeiten am Bildschirm ermöglicht. Machen Sie Gebrauch von der Möglichkeit, Ihre Augen untersuchen zu lassen, um rechtzeitig Sehfehler zu erkennen und zu behandeln.

 

Sehhilfen am Bildschirmarbeitsplatz

Gesunde Augen und eine gute Sehschärfe sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den Anforderungen der Bildschirmarbeit gewachsen zu sein. Wer am Bildschirm tätig ist, sollte sich grundsätzlich vom Augenarzt untersuchen lassen. Häufig kann eine exakt angepasste Brille die Arbeit wesentlich erleichtern. Für Betriebe gelten hinsichtlich der Sehschärfe sogar exakt definierte Vorschriften.Im Untersuchungsgrundsatz "G 37 - Bildschirm-Arbeitsplätze" der gewerblichen Berufsgenossenschaften werden folgende Prüfungen des Sehvermögens festgelegt:

  • Sehschärfe
  • beidäugiges Sehen
  • Farbsinn
  • zentrales Gesichtsfeld

Der Grundsatz "G 37 Bildschirm-Arbeitsplätze" der gewerblichen Berufsgenossenschaften besagt, dass Mitarbeiter ohne weiteres für diese Aufgabe geeignet sind, die auf beiden Augen 0,8 der normalen Sehschärfe erreichen. Als normale Sehschärfe bezeichnet man den Wert 1,0 beiderseits. Häufig liegt die Sehschärfe noch darüber. Zeigt sich beim sog. Siebtest, dass die vorgeschriebene Sehschärfe nicht erreicht wird, so ist eine augenärztliche Untersuchung notwendig. In den meisten Fällen kann die Fehlsichtigkeit mit einer entsprechenden Brille korrigiert werden. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht oder keine zufrieden stellenden Verbesserungen zu erreichen sind, muss der Augenarzt entscheiden, ob dem Betreffenden die Arbeit am Bildschirm möglich ist. Eine vom Augenarzt zu begründende absolute Nichteignung kommt jedoch äußerst selten vor. Der normale Abstand beim Lesen beträgt etwa 30-40 cm. Bei der Bildschirmarbeit muss sich das Auge immer wieder auf unterschiedliche Entfernungen (Tastatur 30cm, Beleg 50cm und Bildschirm 70 cm) im Nahbereich einstellen. Das Sehorgan ist also besonders gefordert. Wenn durch das zunehmende Härterwerden der Augenlinse die Akkommodationsbreite nachlässt, kommt es zum Auftreten von Beschwerden, wie z.B. Sehstörungen, Kopfschmerzen . Etwa ab dem 40. Lebensjahr stellen Menschen ohne entsprechende Korrektur durch eine Brille die Sehschärfe in unterschiedlichen Sehentfernungen am Schreibtisch mit der Sitzhaltung ein. Dies ist anfangs noch möglich; mit zunehmendem Verlust an Akkommodationsbreite kann die Sehschärfe mit diesem Verfahren aber nicht mehr aufrechterhalten werden.Die altersbedingte Nahsehschwäche wird als Presbyopie bezeichnet. Wenn keine krankhaften Veränderungen des Auges hinzukommen lässt sie sich mit entsprechenden Brillen immer korrigieren. Da das Auge dazu neigt mangelnde Sehschärfe durch größere Anstrengung seines Sehapparates zu kompensieren, wird vielen Menschen gar nicht bewußt, dass ihre Sehfähigkeit nachlässt. Sie leiden dann "nur" unter den Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen und schnellere Ermüdbarkeit. Deshalb sind im Grundsatz "G 37, Bildschirm-Arbeitsplätze" für alle Mitarbeiter, die einen Bildschirm benutzen, Nachuntersuchungen im Abstand von fünf Jahren festgelegt. Mit fortschreitendem Lebensalter verkürzen sich die Untersuchungs-Intervalle auf drei Jahre.Auch die Fähigkeit, räumlich zu sehen, spielt an diesem Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Besteht ein latentes, das heißt ein unterdrücktes und normalerweise nicht sichtbares Schielen (Heterophorie), können bei Anstrengung und Ermüdung Doppelbilder auftreten. Im Extremfall sieht man sogar vorübergehend nur noch mit einem Auge, weil das andere so weit in eine Schielstellung abweicht, dass im Gehirn das von diesem Auge aufgenommene Bild unterdrückt wird. Mit einer seit Kindheit bestehenden Schielstellung verbindet sich sehr häufig eine ausgeprägte Schwachsichtigkeit des schielenden Auges (Amblyopie). Der Betroffene ist funktionell praktisch einäugig. Wenn das andere Auge jedoch über eine gute Sehschärfe verfügt, kann auch dieser Mitarbeiter unter bestimmten Voraussetzungen Arbeiten am Bildschirm ausführen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass er sehr viel schneller ermüdet als jemand mit beidseitig intaktem Sehvermögen. Da die Arbeit am Bildschirm mit ständigem Blickwechsel zwischen Monitor und schriftlicher Vorlage verbunden ist, kommt der Beweglichkeit der Augen besondere Bedeutung zu, das heißt, es darf keine Störung in der Zusammenarbeit der Augenmuskeln vorliegen. In einem solchen Fall können Doppelbilder auftreten. Farbfehlsichtigkeit schließt die Arbeit an den heute üblichen farbigen Bildschirmen nicht aus. Programme sind auch für Personen mit Farbsinn-Störungen bedienbar, da Farbe in der Regel nicht einziges Erkennungsmerkmal ist. Lediglich für Aufgaben, bei denen Mehrfarbigkeit zur Unterscheidung dient, sollte eine normale Farbtüchtigkeit gegeben sein, da stärkere Störungen in diesem Bereich zur Farbvertauschung und damit zu möglichen Fehlern führen. Im Gegensatz zu Brechungsfehlern des Auges lassen sich Farbsinn-Störungen durch Sehhilfen nicht beheben.

 

Welche Eigenschaften muß eine Brille für die Bildschirmarbeit haben?

Bevor die Akkommodation (natürliche Naheinstellung) nachlässt, ist die normale Brille auch für die Sehanforderungen am Bildschirm geeignet. Bei fortgeschrittener Presbyopie kommt man mit einer "Lesebrille" oder mit Zweistärkengläsern, die im unteren Bereich die zum Lesen erforderliche Sehschärfe vermitteln, nicht mehr aus, weil die Distanz vom Auge zum Bildschirm oder zur Textvorlage eine andere als beim Lesen von Schriftstücken ist. Je weniger sich das Auge auf Entfernungsunterschiede einstellen kann, je geringer also die Akkommodationsbreite wird, um so mehr kommt es darauf an, dass die Korrektionswerte der Gläser exakt auf die für die Arbeit am Bildschirm erforderlichen Sehdistanzen abgestimmt sind. Verschiedene Hersteller haben sogar besondere "Bildschirm-Arbeitsplatz-Gläser" entwickelt. Diese Gläser sind speziell auf die besonderen Entfernungen (Verhältnisse) am Bildschirmarbeitsplatz abgestimmt und gewährleisten hohe Sehschärfe am Bildschirm, Tastatur und Vorlage - und darüber hinaus auch in die weitere Arbeitsplatzumgebung. Da sich die Sehschärfe mit zunehmendem Alter weiter verändert, muss sie regelmäßig vom Augenarzt überprüft und die Brillenkorrektur entsprechend angepasst werden. Es sind jedoch nicht allein die äußeren durch die Sehaufgabe bestimmten Voraussetzungen zu berücksichtigen, sondern auch die individuellen Anforderungen des Brillenträgers. Stärker getönte Gläser eignen sich für die Arbeit am Bildschirm nicht, da sie die Leuchtdichteverhältnisse ungünstig verändern. Eine Entspiegelung ist dagegen zu empfehlen, weil sie die möglicherweise auf dem Brillenglas auftretenden Reflexe herabmindert.Probleme am Bildschirm-Arbeitsplatz sind direkt oder indirekt häufig Sehprobleme. Ihnen bleiben sie erspart, wenn Sie rechtzeitig und regelmäßig einen Augenarzt aufsuchen.