Dr. med. Günter Schaible
 Dr. med. Antje Weil-Schaible

 



Konjunktivitis (Bindehautentzündung)

 

Die Bindehaut reagiert auf einen Entzündungsreiz mit vermehrter Blutfülle (rotes Auge) sowie mit Absonderungen von Eiweißstoffen und weißen Blutkörperchen aus den Gefäßen. Der auslösende Entzündungsreiz auf die Bindehaut bei der eigentlichen Konjunktivitis ist hauptsächlich durch die Umwelt bedingt; aber auch krankhafte Veränderungen im Auge selbst oder an den Lidern können zu einer Bindehautentzündung führen. Nur der Augenarzt kann die vergleichsweise harmlose Entzündungen, die sich auf die Bindehaut konzentrieren, von Rötungen der Bindehaut unterscheiden, die ein Warnzeichenfür eine schwerwiegende Augenerkrankung sind.

 

Symptome

 

Die Patienten leiden meist unter Augenbrennen, Juckreiz oder Fremdkörpergefühl. Durch das abgesonderte Sekret auf der Hornhaut kommt es zum Teil zu vorübergehenden Beeinträchtigungen der Sehschärfe. Neben der meist mehr oder weniger auftretenden Rötung der Bindehaut kann es auch zu Schwellungen im Lidbereich und zum Verkleben der Lidränder kommen.

 



Formen der Konjunktivitis 

 

Allergische Konjunktivitis

 

Zu den bekanntesten Formen allergischer Bindehautentzündung zählen Heuschnupfen-Konjunktivitis, Frühjahrs-Konjunktivitis und die Konjunktivitis bei endogenen Hautekzemen. In diesen Fällen handelt es sich um langwierige Entzündungen, die aber mit modernen Behandlungsmethoden sowie mit Disziplin und Konsequenz seitens des Patienten beherrscht werden können. Während bei der Heuschnupfen-Konjunktivitis die Zusammenarbeit mit einem Allergologen zur evtl. Desensibilisierung sinnvoll ist, hat eine solche Maßnahme bei der Frühjahrs-Konjunktivitis und bei der Konjunktivitis der Ekzematiker erfahrungsgemäß keine Erfolgsaussicht. Die Aufgabe des Augenarztes besteht bei diesen letztgenannten, eher chronischen Bindehautentzündungen darin, den Patienten mit einem Minimum an wirksamer Therapie beschwerdefrei zu halten, ohne unerwünschte Nebenwirkungen zu riskieren. Der Patient sollte verstehen, dass es sich bei dieser Erkrankungsgruppe um sogenannte konstitutionelle Leiden handelt, die therapeutisch wirksam gemildert, aber nicht vollständig ausgeheilt werden können, da die Veranlagerung ererbt und unveränderlich ist.

 

Reizkonjunktivitis

 

Dies ist die häufigste Form der Bindehautentzündung. Die Ursachen können sein: mechanisch und physikalisch-chemisch: Rauch, Staub, Hitze, Kälte, Wind, UV-Licht oder Stellungsanomalien der Lider oder Wimpern. Ebenfalls können Störungen in der Zusammensetzung des Tränenfilms vorhanden sein, dessen Funktion es normalerweise ist die Augapfeloberfläche und damit auch die Bindehaut vor Umweltreizen zu schützen.

 

Infektiöse Konjunktivitis

 

durch Bakterien und Pilze 

 

Akute Bindehautentzündungen durch Bakterien sind heute relativ selten geworden. Ihre Bekämpfung gelingt meist mit Breitband-Antibiotika-Augentropfen oder Salben. Eine Pilzinfektion vor allem an der Hornhaut tritt vermehrt nach Hornhautverletzungen mit pflanzlichen Material oder bei Patienten mit Immunsystemstörungen auf. Bei der chronisch verlaufenden Infektion mit Chlamydien - das sind sehr kleine Bakterien, die sich nicht nur in der Bindehaut sondern in allen Schleimhäuten aufhalten - muss nicht nur der Erkrankte, sondern auch sein Partner, zu dem er intime Kontakte pflegt, mitbehandelt werden, damit die Infektionskette unterbrochen wird. Die Therapie ist konsequent und über mindestens 3 Wochen durchzuführen, denn nur unter dieser Voraussetzung kann die chronische Bindehautentzündung mit den Riesenfollikeln (Ansammlung von weißen Blutkörperchen) abheilen. Dies ist wichtig, weil bei Verschleppen dieser Erkrankung Dauerschäden durch Narbenbildung an der Hornhaut und der Innenseite der Oberlider entstehen können.Bei Kontaktlinsenträgern mit ungenügender Reinigung der Kontaktlinsen kann eine Infektion mit Akanthamöben auftreten. Typische Symptome der Akanthamöbeninfektion sind Entzündungsinfiltrate und zentrale Geschwürbildungen an der Hornhaut sowie starke Schmerzen.

 

durch Viren

 

Die häufigeren viralen Bindehautenzündungen, von denen die meisten nach kurzer Zeit von allein heilen, treten oft in Verbindung mit "grippalen Infekten" und gleichzeitiger Reizung benachbarter Schleimhäute auf (Schnupfen, Husten). Bestimmte Erreger (Adenoviren) sind sehr stark ansteckend und können die Bindehaut und auch die Hornhaut befallen. Von diesen verschiedenen Erreger-Typen lösen einige eine epidemische Konjunktivitis aus. Charakteristisch für sie ist, dass der nasale Teil der Bindehaut am stärksten betroffen wird und vielfach dunkelrot verfärbt ist. Bindehautreizungen jucken, daher wischen und reiben die Patienten an ihren Augen und geben so die Virusinfektion an Familienmitglieder und Arbeitskollegen weiter. Wegen der großen Ansteckungsgefahr ist auf sorgfältige Hygiene zu achten, jeder körperliche Kontakt und natürlich auch das Benutzen gemeinsamer Handtücher etc. ist zu vermeiden. Eine Herpesinfektion, die hauptsächlich an der Hornhaut auftritt, zeigt jedoch häufig eine Begleitreaktion in Form einer Bindehautentzündung. Wichtig bei dieser für den Patienten nicht selbst von den anderen Bindehaut-erkrankungen zu unterscheidenden Erkrankung ist, dass im Anfangsstadium keinesfalls mit Cortisonhaltigen Augenmedikamenten selbst therapiert werden darf. Bei Masern, Röteln und Windpocken kommt es häufig als Mitreaktion auf die Viruserkrankung zu Entzündungen der Bindehaut.

 

Medikamentenbedingte Konjunktivitis

 

Manchmal kommt es unter einer Behandlung von Augenerkrankungen zur allergischen Reaktion auf bestimmte Inhaltsstoffe dieser Augentropfen, bzw. Augensalben. Hier hilft nur das Weglassen dieser Therapie. Dank der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Medikamente kann der Augenarzt meist ein Präparat verschreiben, das die gleiche Wirkung, aber eine für den Patienten besser verträgliche Zusammensetzung hat. Vermeidbar, und deshalb für Patient und Augenarzt ärgerlich, ist hingegen die Konjunktivitis, die durch längereren Gebrauch gefäßverengender Augentropfen verursacht wird. Sehr viele dieser, als Konjunktivitismittel rezeptfrei angebotenen Präparate, enthalten derartige Stoffe (Vasoconstrictiva). Zwar sind sie bei kurzfristiger Anwendung meist harmlos; benutzt man sie aber über längere Zeit, so kommt es nach Abklingen der gefäßverengenden Wirkung zu einer immer stärker werdenden reaktiven Durchblutungsfülle der Bindehautgefäße - also einer starken Rötung, die wiederum zu noch häufigerem Gebrauch solcher Tropfen verleitet. Diesem Teufelskreis entrinnt man nur durch konsequentes ersatzloses Weglassen aller gefäßverengender Mittel. Der Patient muß akzeptieren, daß die Bindehäute viele Wochen verstärkt gerötet bleiben, bis sich die Gefäße an den Entzug der Vasoconstrictiva gewöhnt haben und sich allmählich wieder normalisieren. 

 

Konjunktivitis bei nicht ausreichende Korrektur der Sehschwäche

 

Es ist durchaus möglich, dass einem Patienten, der wegen einer hartnäckigen Lid- und Bindehautentzündung erstmals zum Augenarzt geht, kein Medikament, sondern eine Brille verordnet wird. Ohne es zu wissen, besteht bei ihm eine Fehlsichtigkeit, die ihm auf Dauer Schmerzen bereitete. Durch unwillkürliches Reiben und Wischen sorgt er selbst dafür, dass die Entzündung erst richtig aufflammt.

 

Schlussfolgerung

 

Augenmedikamente sollten grundsätzlich nicht ohne vorherige Augenbefundkontrolle durch den Augenarzt eingesetzt werden. Nicht ohne Risiken sind kortisonhaltige Mittel. Sie sind nicht ohne vorherige Untersuchung durch den Augenarzt anzuwenden. Wenn sie für die Therapie erforderlich sind, müssen regelmäßige augenärztliche Kontroll-Untersuchungen durchgeführt werden. "Freiverkäuflich" bedeutet nicht, dass solche Augentropfen und -salben harmlos sind. Sie können den Krankheitszustand verschlimmern oder durch Symptom-Beseitigung verhindern, dass eine ernste Krankheitsursache rechtzeitig erkannt wird. Niemals ein Medikament von einem Angehörigen mitbenutzen, selbst dann nicht, wenn es scheinbar um die gleichen Symptome geht. Das Auge und seine Umgebung sollte nicht mit Kamille behandelt werden. Auch andere Heilkräuter haben oftmals ebenfalls unangenehme Nebenwirkungen. Augentropfen oder -salben nicht über die vorgeschriebene Behandlungsdauer hinaus aufheben oder benutzen. Ohne vorherige augenärztliche Diagnosestellung kann jede Behandlung am Auge Schaden anrichten.