Dr. med. Günter Schaible
 Dr. med. Antje Weil-Schaible

 



AltersabhängigeMakuladegeneration (= AMD )



Die Makula lutea entspricht demPunkt des schärfsten Sehens und ist entscheidend für wesentliche Sehfunktionen wie z.B. das Unterscheiden von Farben und vor allem für die Sehschärfe und damit die Fähigkeit zum Lesen, Erkennen von Gesichtern, feinen Einzelheiten.

Mit derübrigen Netzhaut nehmen wir nur Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste wahr.

 

Die altersabhängige Makuladegeneration ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine stärkere Sehminderung bei den über 50-jährigen Menschen.

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung kommt es, dass die Häufigkeit der AMD zugenommen hat und weiter zunimmt.  Es wird postuliert, dass jeder, wenn er nur ein ausreichend hohes Lebensalter erreicht hat , an einer Makuladegeneration erkranken kann.
 

 

Ursächlich für die Entstehung der altersbedingten Makuladegeneration sindverschiedene exogene und endogene Risikofaktoren einschließlich einer erblichen Disposition.

 

Als  Risikofaktoren  für  die Entstehung  einer  AMD gelten :

Rauchen, Bluthochdruck, starkes Sonnenlicht,weibliches Geschlecht, blaue Augen, familiäre Disposition und unausgewogeneErnährung. 

Diese genetischen und Umweltfaktoren beeinflussen den Zeitpunkt des Auftretens derAMD.
 

 

 

Am Anfang der altersbedingten Makuladegeneration steht die Jahrzehnte lange Bildung von Drusen in der Makula. Diese Drusen sind winzige goldgelbe tröpfchenförmige Ablagerungen von Stoffwechselschlacken im Bereich der äußeren Netzhaut in der Makularegion.

Im Laufe der Jahre nehmen diese Drusen an Größe und Anzahl langsam zu.

In diesem Stadium der AMD ist die Sehschärfe meistens noch nicht beeinträchtigt.

 

Im weiteren Verlauf fließen die einzelnen Drusen mit anderen Drusen zusammen und bilden flächige Ablagerungen.

 

Die altersbedingte Makuladegeneration kann sich dann im weiteren Verlauf in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen manifestieren. 

 

 


Anzeichen der AMD
 

Der Patient sieht verzerrt  (= Metamorphopsien ) oder hat Ausfälle (Skotome) im zentralen Gesichtsfeld und die Sehschärfe nimmt langsamschleichend ab.

 

Im typischen Fall beobachtet der Erkrankte beim Lesen von Text unscharfe Stellen einzelner Buchstaben, später Fehlen ganzer Buchstaben und schließlich Fehlen ganzer Wörter .

 

Diese zentrale Unschärfezone vergrößert sich langsam über die Jahre bis nur noch das äußere Gesichtsfeld übrig ist. Betroffene können so Umrisse noch erkennen und sich  weitgehend orientieren ohne aber Details wahrnehmen zu können.
 

Bei den allermeisten AMD- Patienten verläuft das Fortschreiten der Verschlechterung an beiden Augen zeitlich versetzt.

Das hat zur Folge , daß die meisten Patienten wenn ein Auge an AMD erblindet ist , mit dem zweiten Auge noch circa 15- bis 25 Jahre lesen können und damit im täglichen Leben  weiter ganz gut zurechtkommen.

 

 


Selbstuntersuchung mit dem Amsler-Netz
 

       Selbstuntersuchung mit demAmsler-Netz:

  • Setzen Sie Ihre Lesebrille auf
  • Decken Sie ein Auge ab
  • Schauen Sie direkt auf den kleinen schwarzen Punkt im Zentrum des Gitternetzes  
  • Während Sie auf den schwarzen Punkt im Zentrum des Gitternetzes  schauen,
  • achten Sie darauf, ob in den  inneren 4 Kästchen um den schwarzen Punkt herum alle Linien des Netzes gerade sind , oder ob sie in bestimmten Bereichen verzerrt, verschwommen oder unscharf sind
  • Wiederholen Sie diese Kontrolluntersuchung  mit dem Partnerauge
  • Erscheinen Linien krumm oder Quadrate verbogen, kommen Sie bitte zur augenärztlichen Untersuchung und schildern uns Ihre Beschwerden.
  • Bitte kommen Sie dann ohne Auto, Fahrrad, Motorrad zu uns, da im Zuge einer Netzhautuntersuchung die Pupille weitgetropft werden muss.
  • Sie sind danach für einige Stunden nicht mehr fahrtauglich!

 

Formen der altersbedingten Makuladegeneration 

 

Trockene AMD  

 

Es wird ein Früh- und Spätstadium der trockenen AMD unterschieden.

Das Frühstadium der trockenen AMD wird bei der augenärztlichenNetzhautuntersuchung entdeckt. Man erkennt im Bereich der Makula feinkörnelige gelblicheAblagerungen sogenannte Drusen. In diesem Stadium bemerkt der Patient kaum eineSehschärfenbeeinträchtigung. Manchmal wird lediglich berichtet, dass Farbenblasser erscheinen.

Im Spätstadium der AMD gehen Sinneszellen zugrunde und das Sehenverschlechtert sich erheblich. Bei  der  trockenen AMD  verschlechtert  sich  das Sehvermögen  deutlich langsamer  als  bei der  feuchten  AMD .
 

 

Feuchte AMD
 
 

Bei einem geringen Anteil der Patientenmit trockener Makuladegeneration kann diese in eine feuchte AMD übergehen. 

Dabei wachsen neugebildete Blutgefäße als Reaktion auf die mit den Drusen verbundene Versorgungsstörung unter die Netzhaut.  Die Gefäßwände dieser schnell wachsenden Blutgefäße sind verdünnt und durchlässig, wodurch es zu einem Austritt von Blutflüssigkeit und Blut kommt. Das kann  im Bereich der Makula zu einer Anschwellung der Netzhaut (= Makulaödem )  oder  zu unter  der  Netzhaut gelegenen  Blutungen  führen .

Aus diesen Veränderungen können  Narbenbildung in der Netzhautmitte  und ein Untergang der Sehzellen resultieren . Bei der feuchten AMD gibt es verschiedene Unterformen mit unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten.

Im Gegensatz zur trockenen AMD kann die feuchte Form rasch voranschreiten und es kann relativ schnell ein Verlust der zentralen Sehschärfe eintreten.
 

 

Möglichkeiten der Prophylaxe der altersabhängigen Makuladegeneration:
 
Wichtig ist eine optimale Blutdruckeinstellung, Rauchen sollte vermieden werden. Bei besonders starker UV-Strahlung in den Bergen oder am Meer ist das Tragen einer Sonnenbrille sinnvoll. Es hat sich gezeigt, dass Personen, die an einem anti-oxidativen Mineralstoffmangel leiden, ein erhöhtes Risiko für eine AMD aufzeigen. Daher wird die positive Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln diskutiert. Schon einer ausgewogenen Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse misst man eine schützende Funktion bei. So enthalten beispielsweise grünblättrige Gemüse wie Broccoli oder Mais den Wirkstoff Lutein, der als gelbes Pigment in der Makula vorkommt und diese gegen oxidative Schäden schützt. In einer groß angelegten Studie, der Age-Related Eye Disease Study ( = AREDS –  Studie  ) wurde festgestellt , dass die Einnahme von antioxidativen Vitaminen in hoher Dosierung, allerdings nur bei ganz bestimmten Formen der AMD sinnvoll sein kann, um damit das Auftreten der Spätform hinauszuzögern.

Für folgende Mengen an Vitaminen und Spurenelementen (tägliche Dosis) wurde der o.g. Effekt gezeigt: Vitamin C 500mg, Vitamin E 400 I.E., Beta-Carotin15mg, Zink 80mg
Raucher sollten diese Therapie nicht durchführen, da Beta-Carotin bei ihnen einen nachteiligen Effekt bezüglich Lungenfolgeerkrankungen hat. Für diese Patientengruppe gibt es andere Therapieempfehlungen. Nach einer Augenuntersuchung können wir Ihnen sagen, ob für Sie eine solche Einnahme von Nahrungsergänzungssubstanzen  sinnvoll ist.
 


Behandlungsmöglichkeiten bei AMD

Eine Heilung dieser Erkrankung gibt es bis heute nicht. Es gibt jedoch Behandlungsverfahren, mit denen der Krankheitsprozess aufgehalten oder mindestens verlangsamt werden kann.
 


Laserbehandlung


In Frühstadien der feuchten Makuladegeneration kann eine Behandlung mit dem Laserstrahl sinnvoll sein. Mit dem Laserstrahl werden dabei neu aussprossende und undichte Gefäße verödet. Dabei hat sich gezeigt, dass bei zunächst erfolgreicher Laserkoagulation im weiteren Verlauf wieder neue abnormale Gefäße nachwachsen können.
 


Photodynamische Therapie (PDT)
 

Durch eine intravenöse Injektion werden durch eine Substanz die bei der AMD vorhandenen Gefäßwucherungen für den Laserstrahl empfindlicher gemacht. Damit können die abnormen Gefäße auch unter der Makula behandelt werden. Es kommen jedoch nur ganz bestimmte Gefäßneubildung für diese Erkrankung in Frage. Diese Therapie macht jedoch nur Sinn in einem relativ frühen Stadium der feuchten AMD. Sind schon Vernarbungen entstanden, zeigt die PDT keine Wirkung. Die PDT-Behandlung muss meist mehrfach erfolgen, da sich die Gefäße nicht mit einer einzigen Therapie verschließen lassen.
 

Durch die neuen intravitrealen Behandlungsverfahren der ( = IVOM ) wird sie zur Zeit nur noch in Einzelfällen angewandt.   

 

Intravitreale operative Medikamenteneingabe (=IVOM) 

 

Die intravitreale Injektion von VEGF-Inhibitoren ist gegenwärtig national und  international  bei  feuchter AMD die Standardtherapie .

Dabei wird in lokaler Betäubung des Auges unter sterilen Bedingungen im Operationssaal ein VEGF-Inhibitor-Medikament in den Glaskörper              (= intravitreal ) des Auges mit der feuchten AMD gespritzt. Ein VEGF-Inhibitor-Medikament bewirkt im besten Fall eine Heilung der feuchten AMD durch eine Vernarbung der neugebildeten subretinalen Gefäße .

Im Moment werden als Starttherapie 3 Spritzen in monatlichem Abstand verabreicht.

Weitere Spritzen erfolgen danach im Abstand von 4 bis 10 Wochen in Abhängigkeit vom Augenbefund zum Beispiel bei Ödemzunahme oder Abnahme der Sehschärfe.

Diese Spritzentherapie kann  über den Zeitraum von einigen Jahren erfolgen.

Eine Beendigung dieser Spritzentherapie erfolgt im Allgemeinen , wenn die Sehschärfe unter 0,05 absinkt oder ausgedehnte Vernarbungen unter der Netzhautvorliegen.


Makulachirurgie

Bei ausgedehnten plötzlich aufgetretenen Blutungen unter der Makula kann chirurgisch oftmals eine Sehverbesserung erzielt werden. Auch Netzhautdrehungen mit Verlagerungen der Makula können in manchen Fällen an darauf spezialisierten Retinologischen Op-Zentren durchgeführt werden.

 

Andere Behandlungsansätze

Für Therapieverfahren wie die Strahlentherapie, Blutwäsche (Rheopherese),Transplantation von Netzhautzellen gibt es bislang keine Langzeitstudien. Heilmethoden, die im Falle der AMD nicht helfen sind Infusionsbehandlungen und Sauerstofftherapie.
 


Andere Hilfsmöglichkeiten  bei AMD

Falls eine Behandlung derMakuladegeneration  mit Intravitrealeroperativer Medikamenteneingabe ( = IVOM ) , Laser, PDT oder Chirurgie nicht möglich ist bzw. keine Verbesserung der Sehschärfe erbracht hat, kann den Patienten häufig mit vergrößernden Sehhilfen geholfen werden.

Es handelt sich dabei um optische und elektronische Hilfsmittel, mit denen auch bei fortgeschrittener AMD - Erkrankung das Lesen wieder durch entsprechende Vergrößerung möglich werden kann.